ACTS 2016

MIMIKS Empfehlung

 

MIMIKS – VodkaZombieRambogang (2014) – FarMore Records / FrontLine Music

Es gibt Menschen, die sind enorm ehrgeizig und einsatzfreudig. Und dann gibt es Menschen,
die haben enormes Talent. Letztere haben gegenüber den erstgenannten einen Vorsprung: Sie
müssen weniger tun, um aus ihrem Talent was zu machen, oder kommen mit demselben Einsatz
viel weiter als diejenigen, die “nur” Einsatz und Ehrgeiz als Mittel zum Zweck zur Verfügung
haben. Im Falle von MIMIKS, dem 22-jährigen Rap-Ausnahmetalent aus dem wunderschönen
Luzern, ist das Talent offenkundig: Seit der Schweizer mit spanischen Wurzeln zum
ersten Mal den Stift und das Blatt Papier zur Hand genommen und damit die ersten Zeilen verfasst
hat, war klar, dass in diesem Herrn mehr Talent steckt als Männer in leichten Frauen. Aber
eben – Talent alleine reicht nicht. Eine Rückblende:

“Jong & Hässig” – Planlosigkeit als Programm

Wir schreiben das Jahr 2010. Schweizer Rap ist tot, langweilig, angepasst oder Bligg. Niemand
macht was Frisches, keiner traut sich was und haut mal richtig auf den Putz. Just in dieser Zeit
releast MIMIKS sein Debutmixtape namens “Jong & Hässig”. Geschrieben irgendwo im Rausch
zwischen Primakov, unbezahlten Telefonrechnungen und der Angst, wie das Leben am nächsten
Tag aussehen soll, ist “Jong & Hässig” ein kompromissloses Werk, das sich keinen Dreck
darum schert, wie der Hörer wohl darauf reagiert, dass die 041- Jungs auf Hustensirup unterwegs
sind. Und das Tape schlug ein wie eine Bombe: Gerade noch vorne und auf den Punkt
verfasst und geprägt von einem Künstler, der rappte wie ein hungriger Wolf, bereit, sich in die
Waden jedes anderen Wortakrobaten dieses Landes zu verbeissen bis zum Wundstarrkrampf.
Die ganze Szene feiert “Jong & Hässig” wie eine Bibel, und diejenigen, die es nicht tun, haben
hauptsächlich Angst. Alles gut also? Mitnichten. Rap bezahlt keine Rechnungen. Rap gibt keine
Lehrstelle. Kein Fortschritt, Planlosigkeit. Es brauchte mehr als “Jong & Hässig”, nämlich die
Einsicht und den Willen, die Karre “us em Dräck” zu ziehen. In der Musik, aber auch im Leben.

“VodkaZombieRambogang” – Auf zu neuen Ufern

Der genaue Zeitpunkt ist unklar, aber irgenwann zog “Jong Mimi” die Karre aus dem Dreck.
Sport ersetzt Wahnsinn, regelmässige Arbeit ersetzt das “jeden Franken zweimal umdrehen
müssen”. Aus regelmässiger Arbeit wird eine Lehrstelle als Koch. Und es entsteht der Plan zu
“VodkaZombieRambogang” – einer Platte über den Wahnsinn und den Weg aus diesem raus,
einem Album, das mit dem Teufel schläft und begreift, dass man diesen braucht, aber ihn nie
die Überhand nehmen lassen darf. Einem Werk, kompromisslos modern daherkommt und es
schafft, den Hunger von “Jong & Hässig” auf das nächste Level – nämlich von Mixtape- auf
Albumlevel – zu hieven. “VodkaZombieRambogang” vereint den ganzen Haufen junger Wilder
(und gewisser Alter), all dieser 041-Typen, die MIMIKS im Laufe der Zeit um sich geschart und
für sich gewonnen hat. Und die ganze Szene wartet ungeduldig, teils ehrfürchtig, teils in Vorfreude,
auf den Release der Platte. Schliesslich wissen alle: Das Talent von MIMIKS steht ausser
Frage. Aber jetzt, da er dieses mit dem nötigen Sinn fürs Wesentliche und dem notwendigen
Einsatz gepaart hat, steht dem jungen Musiker die Welt offen. Wie sagt das Sprichwort so
schön: Ohne Fleiss kein Preis. Aber für “VodkaZombieRambogang” sollte es den einen oder
anderen geben

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